In Zeiten des Fachkräftemangels ist das große Thema Mitarbeiter gewinnen und binden. Im Zug der zunehmenden Wohnraumverknappung und Mieterhöhungen sowie der Explosion der Energiekosten stellt sich für viele Mitarbeiter nicht nur die Frage wie sie den Weg zur Arbeit bewältigen – mit dem Jobticket, dem Jobrad, dem Dienstwagen, dem Deutschlandticket oder dem eigenen Fahrzeug – sondern auch wie sie Zeit für den Weg zur Arbeit reduzieren oder gar sparen können. 

Die mögliche Rechnung eines Mitarbeiters: Lohnt sich die Arbeit?

Die Rechnung des Mitarbeiters könnte sein: Ich bin für acht Stunden Arbeitszeit am Tag und wegen der An- und Abreise sowie den Pausen elf Stunden je Arbeitstag für die Arbeit unterwegs. Hinzu kommen die Mobilitätskosten. Am Ende des Tages bleiben mir, unter Berücksichtigung nach Abzug der explodierten Lebenshaltungskosten, die auch nach Ende des Ukrainekrieges nicht signifikant sinken werden – nicht mehr viel zum Leben. Kann ich meinen Tag auch anders strukturieren als mit Arbeit? Brauche ich die Arbeit um zu leben? 

Mobilität kostet Zeit   

Die Betrieblichen Sozialleistungen für die Mobilität sind heute quasi Standard: Das Jobticket und Jobrad, das Deutschlandticket in der Stadt und der Pkw auf dem Land, wo zu den entsprechenden Tageszeiten keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren. Betriebskindergärten oder reservierte Kindergartenplätze für Mitarbeiter eines Unternehmens mit angemessenen langen Öffnungszeiten, zur Minimierung der Wege der Eltern, sind keine Seltenheit mehr. 

Die Gartenstadt 

Margarethe Krupp baute – nicht nur aus christlicher Nächstenliebe – die Gartenstadt „Margarethenhöhe“ in Essen, die ein Vorbild für viele andere Arbeitgeber und Städte wurde. Krupp versuchte während der Industrialisierung, den Wettbewerb um Arbeitskräfte mit attraktiven Wohnangeboten für die Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden. Neben den Gartenstädten wurden auch Firmensiedlungen und Wohnheime errichtet, die den Mitarbeitern preiswerten Wohnraum in der Nähe ihrer Arbeitsplätze boten und die Identifikation mit sowie die Bindung an das Unternehmen stärkten. 

Ein Blick in die Zukunft 

Die Wertvorstellungen der Menschen ändern sich, aber ihre Grundbedürfnisse bleiben. In Zeiten in denen der Wohlstand und das frei verfügbare Einkommen der Menschen sinkt gewinnen die Grundbedürfnisse an Bedeutung. Das bezahlbare Dach über dem Kopf in der Nähe der Arbeitsstelle gehört dazu. Für die Mitarbeiter – insbesondere für Menschen im Schichtdienst – wird die Wohnung in der Nähe des Arbeitsplatzes zu einem geschätzten Gut, das die Attraktivität des Arbeitgebers erheblich steigert.  


Ockenfels, den 04.08.2025
Eckhard Eyer